33 – … den Wein in großen Schlucken trinken

33sprachlos

Über vieles spreche ich während eines Tages

das Meiste betrifft Geschehenes, Gesehenes, Erlebtes, Vorhandenes

Ich spreche über WIRKLICHES.

Wie aber soll ich sprechen,

wenn ich von dem sprechen will, von dem ich glaube, dass er mich auffängt ?

Auffängt, wenn ich nicht mehr bin –

Und wovon spreche ich dann?

Welche Sprache(n) müsste ich lernen,

um etwas auszudrücken, was ich nicht so in der Wirklichkeit vorfinde?

Gibt es eine Sprache, die erfasst, erfassen kann, was wir Gott nennen?

Alles, was wir aussagen von/über Gott erweist sich sogleich

als falsch

als nicht zutreffend

als viel zu menschlich

So wie ich spreche und denke, ist Gott nicht.

(- und auch diese Aussage erfasst gar nichts! -)

Wenn Gott nun weder Güte noch Sein noch Wahrheit noch Eins ist,

was ist er dann?

Er ist (gar) NICHTS,

er ist weder dies noch das.

(Meister Eckhart)

Wenn alles Begriffliche verschwindet,

alle Namen, alle Bezeichnungen, alles Sagen –

dann verschwindet das bewusste Selbstsein

dann verschwinde ich

vergesse, verlasse mich

ins NICHTS hinein,

werde Gott ähnlich, mit Gott eins.

Wie ein Mann, der Wein in seinem Keller hat

und er hätte davon nicht getrunken noch versucht,

so weiß er nicht,

dass er gut ist.

(Meister Eckhart)

Mich (sprachlos) in die Tiefen meines Innersten begeben,

und finden –

– und im Mich-Einlassen auf das/den Gefundene(n) erfahren:

ES/ER IST GUT!

Deshalb:

Worüber man nicht reden kann, darüber MUSS man Schweigen.

(Ludwig Wittgenstein)

Nicht defizitäres Verstummen,

sondern Gewinnen:

Entdecken, Eins-Seins, und Leben mit dem inneren GUT:

Das ist sprachlos Sprechen!

 

Eine Lebensweise für die verbleibende Zeit …:

den Wein in großen Schlucken trinken!

 

7 Kommentare zu „33 – … den Wein in großen Schlucken trinken

  1. Ich muss schon sagen, dass deine Art“ Leben“ in Sprache auszudrücken, einfach genial ist! Ich spüre Gott, das Unendliche, das Unsagebare (was auch immer) beim Lesen deiner Beiträge. Du „kleidest“ ihn wunderbar – Satz für Satz und auch zwischen den Zeilen! 🙂 Tete

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  2. da hast du meine häufigen gedanken in worte gekleidet. 🙂 wie schön.
    alles was über über ‚gott‘ sagen kann, ist nicht ‚gott‘.
    und doch, wenn ich mich dieser empfindung zuwende, geht das für mich nur durch sprechen, laut oder innerlich, um bei dieser empfindung oder diesen vielen unterschiedlichen empfindungen, die damit verbunden sind, zu bleiben. ich halte mich durch das aussprechen, nah bei ihnen.

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    1. Ja, genau so habe ich es ungefähr gemeint. Sich dem „Nichts – Gott“ nah und verbunden zu fühlen, durch das aussprechen – auch wenn das, was man aussprechen kann ja doch nicht stimmt …
      Freut mich, dass es „passt“ 🙂

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  3. Guten Morgen Reiner, ich finde den Gedankengang, dass ich – weg vom Sprechen – in der Stille, Sprachlosigkeit in mein tiefstes Innerstes vordringe (das glaube ich geht nur still – sprachlos – …) und dort darauf treffe, was Gott ist, Gott in mir ist. (Ich hatte das schon mal geschrieben: Gott ist immer in uns). Wenn ich das wirklich hinkriege, dann ist das Nichts, so wie ich Meister Eckhart verstehe – weit entfernt von dem, was wir vordergründig mit NICHTs verbinden. Nichts entspricht dann dem Geheimnis, das sich der Wirklichkeit entzieht, das sich nicht mit menschlichen Begriffen fassen lässt, das – vielleicht so wie du schreibst – eine Energie, eine Kraft ist, aber auch viel mehr oder viel weniger – eben die rätselhafte Verborgenheit. Wie kann ich sie dann erfassen?
    Nur im Vollzug: Deshalb den Wein in großen Schlucken trinken – dann wird sich mir auf sprachlose Weise erschließen, dass dieses Geheimnis gut ist.
    So in etwa habe ich das gemeint …
    Der Wein entspricht hier dem Bild, das Meister Eckhart malt –
    Ich mag die Vorstellung, diesem Geheimnis in meinem (Lebens-)Vollzug begegnen zu können, sie sprachlos zur Wirklichkeit werden zu lassen und sie als GUT zu erleben. Das wäre dann VOLLkommen, weil ich mein Potential ganz und gar ausgeschöpft habe, das Potential, das gar nicht nur aus mir besteht …

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  4. Restzeit, ja. Zu schade zum sich-sorgen, zum unnützen Ärger und Aufregung. Jeden Tag darf ich mich daran erinnern, in meinem täglichen, beruflichen Umfeld, aber auch in der Familie.

    Große Schlucke – mal davon abgesehen, das ich aufgrund meiner Vergesslichkeit keinen Alkohol trinke (das aufhören betreffend) – er meint, wir dürfen unser Potential voll nutzen, bevor es sich (scheinbar) auflöst. Das glaube ich nicht, wir nehmen unseren abschießenden Entwicklungsstand mit in eine neue Existenz. Schadet also nix, sich ein wenig zu mühen, um möglichst viel Ballast abzuwerfen, bis dahin.

    Gott – wir sollen uns kein Bild von ihm machen. Für mich ist er Energie pur. Eine uns liebende Energie. Eine Kraft, die Sterne entstehen und vergehen lassen kann, ist niemals nichts 🙂

    Guten Morgen Dir!

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